Meine Australienreise März bis April 2018

Sag Deinen Ängsten Guten Tag

Es ist noch gar nicht lange her, da war der Gedanke, in ein Flugzeug zu steigen äußerst unangenehm für mich.Der normalen Flugangst stand irgendwann in meinem Leben ein Sortiment an Panikatacken zur Seite, die mir besonders das Reiseleben ordentlich erschwerte.

 

Auch Spinnenphobie bemerkte ich viele Jahre, und das schon seit fühester Kindheit.

Nun bin ich ein neugieriger Mensch und meine Neugierde war schon immer größer, als all meine Ängste. 

So entschloss ich mich zu dieser weiten Reise an die australische Ostküste. Erstens konnte ich auf dieser Reise an meiner Flugangst arbeiten und würde zweitens ergründen können, wie ich mich beim Spazieren durch eine Gegend fühle, wo theoretisch hinter jeder Ecke ein giftiges Tier lauern könnte.

 

Boah! In den Tagen kurz vor meinem Abflug griff besonders Abends vor dem Einschlafen die Panik nach mir. Wie halte ich es aus, für so viele Stunden in Flugzeugen zu sitzen, auf einem engen Sitz in der Touristenklasse? Mein Problem ist nicht die Angst vor einem Absturz. Es ist eher die Angst vor der Enge im Flugzeug, das sichere Wissen, in Zehntausend Meter über dem Meer nicht einfach mal aussteigen zu können.

Eine Freundin von mir, die als Suchtberaterin in Berlin arbeitet hatte mir bei einem persönlichen Gespräch etwas über Panikatacken verraten, das mir bei meinen Flügen sehr geholfen hat. Solche Atacken kommen in Schüben, die irgendwann schwächer werden. Mit diesem Wissen, beobachtete ich mich, als ich mich dann schließlich auf die Reise begeben hatte,  hoch in der Luft über den Wolken und jetzt kamen mir meine Panikschübe vor, wie Meereswellen, die mal größer und mal kleiner werden. Und wenn ich dieses Meer überquere, plätschern  noch ein paar kleine Wellen und schon bin ich am anderen Ufer. Aber jetzt habe ich vor gegriffen, also der Reihe nach.

Wie fühlt sich jemand, der so lange in einem Flugzeug sitzt? Die 7-stündigen Flüge nach New York hatte ich immerhin schon einige Male mehr oder weniger erfolgreich hinter mich gebracht. Aber Panikattacken sind Zustände, die einen auch gerne Male im Laufe der Jahre umschlingen, bis man immer weniger Luft bekommt. Kümmert man sich nicht um sie, neigt man gerne dazu, mittels Vermeidungsstrategien, laufend die eigenen Möglichkeiten zu verkleinern.

Aber ich möchte ja möglichst frei sein, in dem was ich tue und lasse.

So kam dann der Tag meiner Abreise im April diesen Jahres. Meine Lebensgefährtin fuhr mich in unserem an gebeulten, längst in die Jahre gekommenen Renault Megane zum Flughafen Tegel. In Berlin schneite es an diesem Vormittag noch ganz ordentlich. Ich saß auf dem Beifahrersitz und umklammerte meinen Rucksack, emsig bemüht, meine Mappe mit den Reiseunterlagen nicht fallen zu lassen. Nicht mehr lange, und ich würde im Flugzeug nach Paris sitzen, um von dort aus zunächst nach Abu Dhabi zu fliegen und dann über das Meer und das australische Festland nach Sydney, am anderen Ende der Welt. Den Flug nach Paris würde ich trotz meiner bereits im Startloch lauernden Panik schon noch irgendwie bewältigen, da war ich mir relativ sicher. Eine Stunde Flug heißt ja, kaum ist man in der Luft und hat eines der Bordgetränke und einen kleinen Imbiss zu sich genommen, befindet man sich schon wieder im Landeanflug. Die Frage war nur, würde ich in Paris in das nächste Flugzeug steigen, um erst mal den 6-stündigen Flug nach Abu Dhabi zu schaffen? So weit war ich ja früher auch schon auf meinen New York Reisen geflogen. Nur hatte ich da ja auch noch nicht die bescheuerten Panikattacken, sondern ganz normale Flugangst, die sich immer einigermaßen in den Griff bekommen ließ. Was würde sein, wenn ich in Paris solch eine Panik bekäme und dann womöglich überhaupt kein Flugzeug besteigen würde, sondern womöglich von dort aus mit dem Zug nach Berlin zurück.

Menschen, die auf solche oder ähnliche Art Flugreisen abgebrochen hatten gab es. Gehörte ich mittlerweile etwa zu ihnen? Immerhin hatte ich mir eine Strategie für die langen Flüge zurecht gelegt. Medikamente zur Beruhigung schieden aus und Alkohol trinke ich keinen. Zunächst Mal schraubte ich am Flugtag meinen Kaffeekonsum zurück.

Zweitens hatte ich vor, aufkommenden Angstanfällen nicht einfach durch Ablenkung zu begegnen, sondern sie zu zu lassen und durch intensives Atmen zu kontrollieren. 

So stellte ich mich dann also halbwegs guten Mutes in die Schlange an den Schalter der Air France.

Dabei guckte ich mir die anderen Passagiere genau an. Die zogen gemächlich ihre Kinder und Koffer Schritt um Schritt weiter. Manch einer sah gelangweilt seine Papiere durch. Niemand schien sich Sorgen zu machen. Also nahm ich noch einmal einen besonders tiefen Atemzug, probierte verstohlen ein Lächeln auf mein Gesicht zu bekommen und rastete in meinen persönlichen Wartemodus ein.

 

 

 

 

 

 

 

Zusätzlich merkte ich auch schnell, dass meine Körperhaltung auch Panik verstärken aber auch abschwächen kann. Zum Beispiel machte es für mich einen Unterschied, ob ich während eines Angstschubes meine Fäuste ballte, oder die Hände offen ließ. Ballte ich die Fäuste, schwitzten meine Hände und das verstärkte meine Panik nur. Ich hielt im Flugzeug, so bald ich merkte, dass meine Hände zu schwitzen begannen, meine Handflächen einfach flach nach oben, wischte sie ab und ließ sie in der Aircondition des Flugzeuges trocknen.

 

Wird fortgesetzt.....

Hier schon mal ein paar Fotos in vorläufig unaufgeräumter Reihenfolge.

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