Es ist noch gar nicht lange her, da war der Gedanke, wieder in ein Flugzeug zu steigen äußerst unangenehm für mich.Der normalen Flugangst stand nämlich irgendwann in meinem Leben ein Sortiment an Panikattacken wegen Platzangst  zur Seite, die mir besonders das Reiseleben ordentlich erschwerte.   Auch Spinnenphobie hatte ich viele Jahre, und das schon seit frühester Kindheit.

Eine Freundin von mir, die als Suchtberaterin in Berlin arbeitet hatte mir bei einem persönlichen Gespräch etwas über Panikattacken verraten, das mir zumindest bei meinen eher kurzen Flügen nach London, Barcelona und Ägypten sehr geholfen hatte. Solche Anfälle kommen in Schüben, die irgendwann schwächer werden. 

Aber wie werde ich mich fühlen, wenn ich so lange in einem Flugzeug sitze?

Die 7-stündigen Flüge nach New York hatte ich immerhin schon einige Male mehr oder weniger erfolgreich hinter mich gebracht, aber das war ja Jahre bevor mich diese Anfälle zu beherrschen versuchten. Panikattacken sind Zustände, die einen auch gerne Male im Laufe der Jahre umschlingen, bis man immer weniger Luft bekommt. Kümmert man sich nicht um sie, neigt man gerne dazu, mittels Vermeidungsstrategien, laufend die eigenen Möglichkeiten zu verkleinern.

 

Aber ich möchte ja möglichst frei sein, in dem was ich tue und lasse.

 

Ich bin ein neugieriger Mensch und meine Neugierde war schon immer größer, als all meine Ängste. 

So entschloss ich mich zu dieser weiten Reise an die australische Ostküste. Erstens konnte ich auf dieser Reise an meiner Flugangst arbeiten und würde zweitens ergründen können, wie ich mich beim Spazieren durch eine Gegend fühle, wo theoretisch hinter jeder Ecke ein giftiges Tier lauern könnte. Das hatte ich schon häufig geträumt und fühlte mich in diesen Träumen eigentlich immer seltener ängstlich, sondern eben viel eher neugierig. Ich glaube ja schon lange, dass viele Träume etwas bedeuten. Wahrscheinlich ist das sogar wissenschaftlich begründbar. 

Also folge ich meinen Intuitionen immer häufiger und verlasse mich darauf, dass sie mich irgendwo hin führen, wo ich auch sein möchte. Also, auf geht´s

 

Boah! In den Tagen kurz vor meinem Abflug griff besonders Abends vor dem Einschlafen die Panik nach mir. Wie halte ich es aus, für so viele Stunden in Flugzeugen zu sitzen, auf einem engen Sitz in der Touristenklasse? Mein Problem beim Fliegen ist nicht so sehr die Angst vor einem Absturz. Es ist eher die Angst vor der Enge im Flugzeug, das sichere Wissen, in Zehntausend Meter über dem Meer nicht einfach mal aussteigen zu können.

 

So kam dann der Tag meiner Abreise im April. Meine Lebensgefährtin fuhr mich in unserem angebeulten, längst in die Jahre gekommenen Renault Megane zum Flughafen Tegel. In Berlin schneite es an diesem Vormittag noch ganz ordentlich. Ich saß auf dem Beifahrersitz und umklammerte meinen Rucksack, emsig bemüht, meine Mappe mit den Reiseunterlagen nicht fallen zu lassen. Nicht mehr lange, und ich würde im Flugzeug nach Paris sitzen, um von dort aus zunächst nach Abu Dhabi zu fliegen und dann über das Meer und auf das australische Festland nach Sydney, am anderen Ende der Welt. Den Flug nach Paris würde ich trotz meiner bereits im Startloch lauernden Panik schon noch irgendwie bewältigen, da war ich mir relativ sicher. Eine Stunde Flug heißt ja, kaum ist man in der Luft und hat eines der Bordgetränke und einen kleinen Imbiss zu sich genommen, befindet man sich schon wieder im Landeanflug. Die Frage war nur, würde ich in Paris in das nächste Flugzeug steigen, um erst mal den 6-stündigen Flug nach Abu Dhabi zu schaffen? So weit war ich ja früher auch schon auf meinen New York Reisen geflogen. Nur hatte ich da ja damals auch noch nicht die bescheuerten Panikattacken, sondern ganz normale Flugangst, die sich immer einigermaßen in den Griff bekommen ließ. Was würde sein, wenn ich in Paris solch eine Panik bekäme und dann überhaupt kein weiteres Flugzeug besteigen würde, sondern womöglich von dort aus mit dem Zug nach Berlin zurück.

Menschen, die auf solche oder ähnliche Art Flugreisen abgebrochen hatten gab es. Gehörte ich mittlerweile etwa zu ihnen? Immerhin hatte ich mir eine Strategie für die langen Flüge zurecht gelegt. Medikamente zur Beruhigung schieden aus und Alkohol trinke ich keinen. Also versuchte ich etwas anderes.

Zunächst mal schraubte ich am Flugtag meinen Kaffeekonsum zurück.

Zweitens hatte ich vor, aufkommenden Angstanfällen nicht einfach durch Ablenkung zu begegnen, sondern sie zu zu lassen und durch intensives Atmen zu kontrollieren. 

So stellte ich mich dann also halbwegs guten Mutes in die Schlange an den Schalter der Air France.

Dabei guckte ich mir die anderen Passagiere genau an. Die zogen gemächlich ihre Kinder und Koffer Schritt um Schritt weiter. Manch einer sah gelangweilt seine Papiere durch. Niemand schien sich Sorgen zu machen. Also nahm ich noch einmal einen besonders tiefen Atemzug, probierte verstohlen ein Lächeln auf mein Gesicht zu bekommen und rastete in meinen persönlichen Wartemodus ein. Nach etwa einer Viertelstunde bewegte sich die Schlange vor mir. Aber nicht in Richtung Abfertigungsschalter, sondern nach links und rechts. Ein uniformierter Mann nuschelte uns eilig mit starken Air france- Akzent entgegen, unser Flug sei anscheinend überbucht. Er breitete die Arme aus und teilte unsere Warteschlange in zwei Haufen auf. Ich gehörte zu denen, die beiseite gehen und gesondert warten sollten. Dadurch änderte sich spontan der Grund aus dem mein Herz diagonal in meinem Körper hoppelte. Jetzt hatte ich nämlich Sorge, überhaupt in ein Flugzeug zu gelangen.

Reisefieber füllte meinen Organismus wie zu heißer Kaffee. Der Uniformierte lief mit wichtigem Dienstgesicht alle paar Minuten an uns ratlos Wartenden vorbei, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Trotzdem schien sein Tun etwas bewirkt zu haben, denn wenige zehn Minuten später stapfte ich über den Textilbodenbelag unseres Flugzeugs und quetschte mich auf meinen Fensterplatz.

Es folgten zwei Panikschübe. Der erste, als sich der Gang mit so vielen Passagieren füllte, dass ab jetzt ein Aussteigen kaum noch möglich sein würde.

Der zweite Schub raste als Meterhohe Welle auf mich zu, als die Flugzeugtüren geschlossen wurden.

Ich zerrte meinen Sicherheitsgurt  etwas fester und stellte es mir irgendwie gut vor, wenn mich jetzt jemand einfach an meinen Sitz fesseln würde.

Dann wäre es mir nicht mehr möglich, aufzuspringen und meiner Panik das Kommando zu überlassen.

Blick durchs Fenster. Es beruhigte mich  irgendwie, dass außerhalb meines Gefängnisses noch Weite vorhanden war. Dazu noch ein paar schwankende Schneeflocken. Der Berliner Winter sagte auf Wiedersehen. Das Flugzeug sauste los und jetzt war vorerst an Aussteigen nicht zu denken.

Gipfelhöhe  zehntausend Meter. Eigentlich gehörte es nicht zu meiner geplanten Strategie, jetzt mein Notizbüchlein aufzublättern und Reiseeindrücke aufzuschreiben. Es funktionierte aber so gut wie kein alkoholisches Getränk und kein Medikament. Dazu ließ ich mir ausnahmsweise statt Kaffee einen Tee von der hübschen, freundlichen Stewardess reichen. Wir waren gar nicht lange irgendwo zwischen zu Hause und Paris unterwegs.

Schon knackte es wieder leise beim Schlucken, und das bedeutet, wir waren schon wieder im Landeanflug.

Das Wetter in Paris fühlte ein bisschen milder und nasser an , als zu Hause. Ich sah Pfützen und umgefallenen Rasen auf grauem Hintergrund. Bei der Landung war kein Eiffelturm zu sehen, aber wegen dem war ich heute ja auch nicht unterwegs. Raus aus der Aluminiumröhre und wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, fühlte sich gut an. Hatte ich noch ausreichend Zeit, ins nächste Flugzeug zu steigen?

Erst mal suchte ich die Taxfreeshops nach einer Speicherkarte für meine Actioncam ab. Ausnahmsweise ein Belohnungskaffee wäre jetzt nicht schlecht gewesen, aber sparen war angesagt. Meine schmale Reisekasse würde noch genug zu verkraften bekommen. Zeit zum Umsteigen ins Flugzeug nach Abu Dhabi war genug eingeplant, aber der Betrieb auf internationalen Flughäfen frisst immer jede Reserveminute bis auf einen spärlichen Rest. Dieses Phänomen kannte ich allerdings auch vom Autofahren durch die zahlreichen Berliner Staugebiete. Mit dem Finger auf meinen Reiseunterlagen ging ich nickend und mich selbst beruhigend vor mich hin murmelnd von einer alphanumerischen Flughafenkoordinate zur nächsten. Ich war so lange sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, bis mir ein groß gewachsener auch für Pariser Verhältnisse sehr fremdländisch aussehender Mann den Weg versperrte.

Mit knapper dienstlicher Freundlichkeit erklärte er mir, dass ich irgendwo neu einchecken müsse. Da wir beide nur mäßiges englisch sprachen, verdoppelte sich mein Herzschlag innerhalb weniger Atemzüge. Von jetzt ab begann ich immer lauter vor mich hinschimpfend auf dem riesigen Charles de Gaulle-Flughafen hin und her zu irren.

Ich suchte und fand schließlich einen Informationsschalter und stürmte auf ihn zu. Ich hoffte, dort würde ich auf eine nicht zu lange Warteschlange stoßen und war zunächst erfreut, dass dort überhaupt niemand wartete. Als ich näher an den Schalter trat, konnte ich in drei Sprachen auf einem Schild den Grund lesen. Der Schalter war geschlossen.

Es gab einen Hinweis und einen Pfeil, der in eine eher unbestimmbare Richtung wies. Ich rannte jetzt schon beinahe und meine Füße schwitzten jetzt bedenklich und überhaupt  nicht weltmännisch. Nach ich weiß nicht wie viel Minuten fand ich endlich den anderen Informationsschalter, um fest zu stellen, dass auch der geschlossen war. Ich stürmte weiter zu einer Rolltreppe an deren Ende eine Glastür war, weil dort ein weiterer fremdländisch aussehender Mann stand,  der mir vielleicht helfen würde.

Hektisch fledderte ich vor ihm meine Reiseunterlagen hin und her und fragte ihn, ob ich durch die Glastür, die er bewachte irgendwo hin gelangen könnte, um noch rechtzeitig meinen Flug zu erreichen. Der Mann sagte irgend etwas in zwei oder drei Sätzen zu mir. Ich verstand kein Wort und passierte dankend die Glastür. Jetzt hatte ich das Gefühl. komplett falsch zu sein. Ich stand jetzt nämlich wie ich glaubte in einer Halle, die zum äußeren Kreis der Abfertigungshallen gehörte. OMG! Ich war jetzt nicht mehr drinnen, sondern draußen. Die nächsten Rolltreppen nahm ich jetzt mit immer riskanteren Manövern. Welche Richtung sollte ich nur nehmen? Nichts fühlte sich richtig an.

Ich fluchte jetzt so laut, dass man mich ohne Probleme zehn Meter weit hören konnte. In diesen Augenblicken hatte das sein Gutes. Ein Mann mit Hut und österreichischen Akzent erbarmte sich meiner, sah kurz auf meine Papiere und zeigte zu einer Glastür, die ins Freie führte. Jetzt flitzte ich schnell wie ein Fahrrad diagonal auf die andere Seite des Flughafens und zerrte mein Gepäck über Hindernisse, die eigentlich nicht zum Überqueren gedacht waren. Auf einem Parkplatz, wenige Schritte von der nächsten Glastür entfernt, hörte ich einen obdachlosen Mann noch lauter als mich selbst schimpfen. Er war wegen weiß der Himmel was vollkommen aufgebracht und trat lautstark gegen ein paar parkende Autos. Tja, viel anders, als dieser arme Tropf fühlte ich mich ja in diesen Augenblicken selbst nicht.

Und dann öffnete sich der Himmel. Ich stand kurz drauf am Ende einer langen Schlange unter einer elektronischen Anzeige, auf der mein Flug nach Abu Dhabi angekündigt wurde. Zudem lief eine junge Frau in der Uniform meiner arabischen Fluggesellschaft zwischen den Passagieren hin und her, um deren Papiere zu inspizieren.

Als sie lächelnd meine Unterlagen durchsah und mir bestätigte, ich würde an der genau richtigen Schlange warten, hätte ich sie mir am liebsten unter den Arm geklemmt und mit auf meine Reise genommen. Zum zweiten Mal an diesem Tag hatte das Reisefieber meine Angst vor Panikattacken fast vollständig eliminiert. Wie spricht der Volksmund ganz richtig? Wo Haie sind, sind keine Krokodile.

 

Ok,nichts wie rein in das nächste Flugzeug. Hier war jetzt ein bisschen mehr Platz. Die Zeit bis zum Start vertrieb ich mir damit, die neu gekaufte Speicherkarte in meine Actioncam zu stecken und die Kamera mit dem USB-Anschluß an meinem Entertainment-Terminal zu verbinden. Testweise probierte ich dann den Startknopf an der Kamera aus.

Die piepste beim Hochfahren aber so laut, dass ich sie erst Mal wieder ausschaltete.

Ich schnappte mir lieber mein Buch und versuchte meine beklemmende Gefängnisumgebung durch Lesen zu ignorieren. Auf ging es zur ersten vielstündigen Etappe nach Abu Dhabi. Als unser Flugzeug in der Luft war, streichelte ich es heimlich, um mich bei ihm zu bedanken. Technik besteht nur zu 89 Prozent aus berechenbaren Baugruppen und Teilen. Der Rest ist Seele richtig? Mein Sitznachbar hatte bereits seinen Kopfhörer auf und schaltete sich durch die Kanäle des Bordentertainments. Das wollte ich ihm sofort nachmachen, konnte aber trotz intensiver Suche keine Buchse für meinen in einer Tüte verschweißten Kopfhörer entdecken. Ich suchte überall, auch in der Sitzlehne und wahrscheinlich sogar unter meinem Sitz. Verstohlen beobachtet ich meinen Sitznachbarn, aber sein Kopfhörerkabel schien irgendwo in seiner Kleidung zu verschwinden. Die Stewardess wollte ich nicht fragen, also blieb mir nur, meine aufkommende Panik mit anderen Mitteln abzuwehren. Schon kam nämlich jetzt eine große und dann eine sehr große Welle von Ausnahmezustand auf mich zugerast. Meine Hände begannen, zu schwitzen. Sie schwitzten derart stark, dass ich irgendwann später sogar in meinen Händen Krämpfe bekam. Das war ganz klar Magnesiummangel.

 Zusätzlich merkte ich auch schnell, dass ich mit Hilfe meiner Körperhaltung Panik verstärken aber auch abschwächen kann. Zum Beispiel machte es für mich einen Unterschied, ob ich während eines Angstschubes meine Fäuste ballte, oder die Hände offen ließ. Ballte ich die Fäuste, schwitzten meine Hände noch stärker und das verstärkte meine Panik nur. Mit diesem neu erworbenen Wissen hielt ich jetzt , so bald ich merkte, dass meine Hände zu schwitzen begannen, meine Handflächen einfach flach nach oben, wischte sie ab und ließ sie in der Aircondition des Flugzeuges trocknen.

Mein Bordentertainment schaltete ich mit seiner Kabelfernbedienung auf Geovision. Jetzt konnte ich die Position unseres Flugzeugs auf einer Weltkarte verfolgen. Aha, wir flogen jetzt erst Mal grob Richtung Bukarest und dann an Ankara vorbei. Abwechselnd über Land und über Meer. Mein Herz schlug jetzt schon deutlich weniger wild.

Außerdem kam jetzt eine Stewardess mit Kopftuch vorbei. Sie stellte mir mein vegetarisches Menü zusammen mit einer Kapsel eiskalten Wassers auf meinen winzigen Klapptisch. Jetzt bestand meine Ablenkung darin, mit nach oben gezogenen Schultern mein Besteck im spitzen Winkel nach unten gerichtet mein Essen zu zerlegen. Dabei achtete ich sehr darauf, nichts herunter zu schmeißen oder zu verschütten. Sorgfältig schmierte ich mir auch das kleine Brötchen und gabelte dazu Gurkenscheiben und Karottenstreifen in meinen Mund. Ja, Hunger hatte ich inzwischen und es verging ja etwas von der unendlich langen Flugzeit, wenn ich jetzt schön langsam machte.

Als die Stewardess noch einmal vorbei kam, um meinen Müll einzusammeln, fragte ich sie nach einem Kaffee.

Den gab es aber jetzt erst Mal gar nicht. Ich wurde gebeten, den Sonnenschutz an meinem Fenster nach untern zu ziehen. An Bord wurde jetzt das Licht gedimmt und so eine künstliche Nacht erzeugt.

Ich probierte also, ein bisschen zu schlafen. Wenn ich bei diesem Unternehmen erfolgreich gewesen sein sollte, dann vermutlich nur Viertelstundenweise. Müde vom Reisefieber und den jetzt größtenteils überwundenen Panikschüben war ich ja inzwischen. Mir machte es nicht einmal viel aus, als unsere Maschine plötzlich für einige Minuten durch mächtige Luftlöcher torkelte und jemand vom Bordpersonal eilig an mir vorbei lief und im vorderen Bereich des Flugzeuges hinter einem Vorhang verschwand. Ich griff wieder nach meinem Buch und las ein paar Seiten.

Zwischendurch schon ich die Sichtblende meines Fensters ein Stückchen nach oben. Draußen war es jetzt finstere Nacht. Die Außenwelt bestand jetzt nur noch aus der blinkenden Positionsleuchte einer Tragflächenspitze.

Nächster Schlafversuch. Vernebeln die eigentlich irgendwelche beruhigenden Pheremone über die Aircondition an Board? Das würde erklären, wieso alles Passagiere inclusive mir in so eine kollektive Lethargie gedriftet sind.

Beim Tierarzt wird ja so was schon lange gemacht, damit Hunde, Katzen und Vögel nicht im Wartezimmer übereinander herfallen.

So ging der Flug für mich jetzt eine ganze Weile weiter. Eine nicht ganz so unbequeme Sitzposition finden, Einschlafversuch, gähnen, sich im Sitz strecken, Blick auf die Geovisionsanzeige, nächster Einschlafversuch. Kurz die Sichtblende des Fensters nach oben schieben un den Horizont nach einem Streifen Tageslicht absuchen. Immer noch flogen wir über dem Meer, jetzt langsam in Richtung Baghdad. 

Unter uns konnte ich einige kleine Inseln erkennen, zwischen denen helle, orangefarbene Lichter strahlten. Waren das brennende Ölfelder, die nach dem letzten Golfkrieg noch niemand gelöscht hatte? Ich versuchte mich noch ein oder zweimal auf meinem Platz zusammen zu rollen und ein bisschen zu schlafen, aber das gelang mir nicht. Also tat ich einen weiteren Blick aus dem  Bordfenster. Jetzt war am Horizont so etwas wie ein auf die Seite gelegter orangefarbener Sichelmond zu erkennen. Zuerst leuchtete er noch mit der Wagheit einer Halluzination, wurde aber nach und nach realer. Die Boardbeleuchtung im Flugzeug wurde jetzt sekündlich heller. Immer mehr Köpfe bewegten sich träge in den Sitzreihen. Es roch nach Kaffee und Frühstück. Jetzt füllte sich auch mein Fenster langsam mit kräftiger werdenden Morgenlicht, zuerst noch rötlich, dann immer schnell helles blau. Wir überflogen jetzt eine Küstenlinie einem sonnigen Tag entgegen.

 

Wird fortgesetzt....

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